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1879, als in
einer Gaststätte der Bauernschaft
Vorhalle der Vorhaller Turn- und
Spielverein ins Leben gerufen wurde,
zählte Vorhalle gerade einmal 1600
Einwohner. Es gehörte zu dieser Zeit mit
Westerbauer zum Amt Enneperstraße.
Nach der
Reichsgründung 1871 regte sich überall
der Wunsch nach eigener Verwaltung,
zumal die Entfernungen, die oft noch zu
Fuß oder per Pferdewagen zurückgelegt
werden mussten, bei Amtsgängen
unzumutbar waren.
Als Haspe
1884 Westerbauer eingemeindete, wurde
das Amt Enneperstraße aufgelöst und
Vorhalle schloss sich dem Amtsverband
Boele-Hagen an. Die Vorhaller strebten
aber nach politischer
Eigenverantwortung, denn ab 1872 sind
Protokollbücher über politische und seit
1873 über schulgemeindliche Beschlüsse
belegt, die zeigen, dass sich
gemeindliche Strukturen bildeten. 1881
bekam Vorhalle ein eigenes Standesamt
und 1899 ein Unteramt für Verwaltung
mit Gemeindekasse, das von einem
Berufsbeamten und ein bis zwei
Hilfskräften verwaltet wurde und einen
ehrenamtlichen Vorsteher hatte.
Schulwesen
und Kirchengemeinden waren erste
sichtbare Zeichen einer
Gemeindeentwicklung. 1855 gründete die
evangelische Gemeinde die erste Schule
für 30 Kinder. 20 Jahre später hatte man
schon sechsmal so viele Kinder zu
versorgen und 1900 baute die katholische
Gemeinde in der Lindenstraße ihr erstes
eigenes Schulgebäude.
Bis weit ins
19. Jahrhundert nutzten die Vorhaller
Christen die Kirchen der
Nachbargemeinden Volmarstein, Haspe,
Herdecke und Hagen. Seit 1892 fanden
evangelische Gottesdienste im Schulhaus
und seit Januar 1893 im neuen Beetsaal
(Amtshaus Nöhstraße) statt. 1899 legte
man den Grundstein für die evangelische
Kirche, die am 10.11.1903 eingeweiht
wurde.
Die
katholischen Christen bauten ihr
Vereinshaus in der Lindenstraße, wo 1907
zum ersten Mal ein Gottesdienst gefeiert
wurde. Sie legten am 1.7.1911 den
Grundstein zu ihrer Kirche an der
Feldstraße, die allerdings bedingt durch
Krieg und Inflation erst 1924
fertiggestellt werden konnte.
Seit 1895
hatten die Vorhaller regelmäßig Anträge
bei der Regierung zur Errichtung eines
selbständigen Amtsbezirks gestellt. Der
erste Antrag wurde abgewiesen, weil die
vorgeschriebenen 3000 Einwohner gerade
noch nicht erreicht worden waren. 1901
konnte eine Eingemeindung nach Hagen mit
Altenhagen und Eckesey noch verhindert
werden. Im Ersten Weltkrieg hatte man
andere Sorgen und so wurde Vorhalle erst
am 1.4.1920 eine selbständige Gemeinde.
Diese politische Selbständigkeit ging
aber schon 9 Jahre später wieder
verloren, als am 1.8.1929 in einer
zweiten Eingemeindungswelle Vorhalle und
Haspe Vororte der Großstadt Hagen
wurden.
1879 hatte
die Gründerzeit, die mit dem Bau der
Eisenbahn und der folgenden
Industrialisierung einherging, auch von
Vorhalle Besitz ergriffen.
Bis zur
Mitte des Jahrhunderts teilten sich
vierzig Grundeigentümer die ca. 1100 ha
Land, wobei die Funckes auf Gut
Sporbeck, die Hülsbergs und die Grafen
von der Recke wohl die wichtigsten und
größten waren. Zu den traditionellen
Gütern, wie den z.B. heute noch
geläufigen Aeringhausen, Schönfeld,
Niederste und Oberste Hülsberg,
Funckenhausen, Brockhausen, Hausen,
Werdringen und Halle gehörten kleine
Kotten in denen Landwirtschaft,
Forstwirtschaft und Viehzucht den
Haupterwerb der Bewohner bildete.
Seit 1846-48
die bergisch-märkische Bahn ihre erste
Trasse durch das Tal gezogen hatte,
fanden Einwohner und Neubürger Arbeit
als Eisenbahner, Steinbrucharbeiter, bei
den Ziegeleien oder in der Gießerei und
beim Stahlwerk Lausberg und Winkhaus
(später Brüninghaus und Stahlwerke
Südwestfalen). Hinzu kamen weitere
kleine Gewerbe-, Handwerksbetriebe und
Geschäfte.
Ein
wirklicher Ort mit erkennbarem Ortskern
und Siedlungsstruktur wurde Vorhalle
erst durch die Aktivitäten des
Eisenbahn-Bauvereins. Diese
genossenschaftliche und gemeinnützige
Einrichtung gründete sich in Hagen am
1.1.1893. Schon bald machte er sich
daran in der Kirchstraße (heute
Vorhaller Str.), der Wiesenstraße (heute
Nöhstraße) und der Worterbruchstraße
Wohnblocks zu errichten, die vor allem
dem Mangel an kleinen und mittleren
Wohnungen abhelfen sollten und für
Eisenbahner bezahlbar waren. Hinter den
Häusern gab es zusätzliche Bauten, die
als Ställe für Kleintiere und Schuppen
genutzt wurden.
Nun bildete
sich ein Vorhaller Ortskern mit
Amtshaus, Polizei und Post, Geschäfts-
und Wohnstraßen. Die Straßenbahn wurde
durch die Vorhaller Straße geführt und
durch die Bahnhofstraße erreichte man
den nahen Vorhaller (-Herdecker)
Bahnhof. Schon weitete sich die Siedlung
in Richtung Feldstraße/Lindenstraße, als
Autobahn und Weststraße dem
geschlossenen Ortsteil ein Ende setzten.
Der Ausbau des Stadtteiles Brockhausen
jenseits der Bahn brachte sogar eine
Vierteilung des Ortsbildes, das von
Bahn, Weststraße und Autobahn dreimal
durchschnitten ist.
Im Krieg nur
wenig in Mitleidenschaft gezogen, musste
Vorhalle 1946 geräumt werden und diente
den Alliierten bis 1947 als Auffanglager
für russische Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter. Was diese nicht
mitgenommen oder zerstört hatten, wurde
nun wieder von den Vorhallern in Besitz
genommen. Die Aufbauleistung der 50er
Jahre und der Zuzug von Neubürgern waren
enorm. Die Industrie, die Vorhalle mit
so viel Leben erfüllte, machte aber
zunehmend Probleme. Zuerst kränkelten
die Ziegeleien, dann die Gießereien und
schließlich wurde auch das Stahlwerk
geschlossen. Die Industriebrachen sind
heute weitgehend verschwunden, aber das
Arbeitsplatzangebot konnte nie wieder
erreicht werden.
Das scheint
jedoch den „Vorhaller“ nicht zu stören.
Zwischen und an den Verkehrswegen hat er
es sich bequem gemacht. Er ist gerne
hier, und muss er einmal fort, zieht es
ihn bestimmt bald wieder zurück.
In den 90er
Jahren war Vorhalle noch „Stadtteil mit
besonderem Erneuerungsbedarf“.
Vielfältige Planungen konnten seitdem
realisiert werden, Neubauten und
Verschönerungen haben die Attraktivität
des Ortsteils mächtig gesteigert. Dass
ein Ort nicht nur dem Bedürfnis nach
Wohnen und Arbeiten genügen muss,
sondern zunehmende Ansprüche an seinen
Freizeitwert gestellt werden, haben die
Vereinsgründer vor 125 Jahren bereits
erkannt. Heute ist das mit dem Leben im
Grünen mit guter Infrastruktur und
großem Freizeitangebot in unmittelbarer
Nähe der Großstadt weitgehend erfüllt. |